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WPS im Fahrzeugbau: Prozesse, Werkstoffgruppen und Inhalt

Ob Kipperbrücke, Kofferaufbau oder Anhängerrahmen: In der Werkstatt wird nach einer Schweißanweisung geschweißt, der WPS. Sie legt fest, mit welchem Prozess, welchem Zusatzwerkstoff und welchen Parametern eine bestimmte Naht an einem bestimmten Werkstoff entsteht. Diese Seite ordnet ein, was in eine WPS gehört, wie die im Fahrzeugbau üblichen MAG-Prozesse bezeichnet werden und wie Werkstoffe in Gruppen eingeteilt sind.

Was eine WPS nach ISO 15609-1 enthält

ISO 15609-1:2019 regelt die Schweißanweisung für das Lichtbogenschweißen. Abschnitt 4 zählt auf, welche Angaben sie trägt. Ein Teil bezieht sich auf den Hersteller und den Grundwerkstoff — Werkstofftyp und Abmessungen. Ein weiterer Teil gilt für alle Schweißverfahren gleichermaßen:

  • der Schweißprozess, bezeichnet nach ISO 4063 (Abschnitt 4.4.1),
  • die Nahtgestaltung als Skizze mit Maßen; die Lagenfolge gehört auf die Skizze, wenn sie für die Eigenschaften der Naht wesentlich ist (4.4.2),
  • die Schweißposition nach ISO 6947 (4.4.3),
  • die Nahtvorbereitung einschließlich Reinigung, Vorrichtungen und Heften (4.4.4),
  • Schweißtechnik, Ausfugen und Badsicherung (4.4.5 bis 4.4.7),
  • die Zusatzwerkstoffe mit Bezeichnung, Hersteller, Abmessung und Handhabung (4.4.8),
  • die elektrischen Parameter — Stromart und Polarität, bei Impulsschweißen die Impulsangaben, Strom- und Spannungsbereich (4.4.9),
  • Vorwärm- und Zwischenlagentemperatur, Wärmenachbehandlung, Schutzgas und Wärmeeinbringung (4.4.11 bis 4.4.17).

Für den Fahrzeugbau ist die Nahtvorbereitung mit Vorrichtung und Heften oft der Punkt, an dem Aufbauten maßhaltig werden oder nicht — mehr dazu im Beitrag zum Schweißverzug an dünnwandigen Aufbauten.

MAG-Prozesse 135, 136 und 138

Die Kennzahlen der Schweißprozesse stammen aus ISO 4063. EN ISO 9606-1:2017 führt sie in Abschnitt 4.2 mit auf; für das Metall-Aktivgasschweißen (MAG) sind es drei Nummern:

  • 135 — MAG-Schweißen mit Massivdrahtelektrode,
  • 136 — MAG-Schweißen mit schweißpulvergefüllter Drahtelektrode (Fülldraht),
  • 138 — MAG-Schweißen mit metallpulvergefüllter Drahtelektrode.

Für die WPS ist die Prozessnummer eine Pflichtangabe. Für die Schweißer hat sie eine zweite Bedeutung: Nach EN ISO 9606-1:2017 Abschnitt 5.2 qualifiziert eine Prüfung grundsätzlich nur einen Prozess. Ausdrücklich ausgenommen ist der Wechsel zwischen Massivdraht 135 und Metallpulverdraht 138 — er verlangt keine neue Prüfung. Der Prozess 136 gehört nicht zu dieser Ausnahme. Außerdem gilt: Wer im Kurzlichtbogen (131, 135 und 138) geprüft ist, ist auch für die anderen Werkstoffübergänge qualifiziert, nicht aber umgekehrt. Wer also eine Anweisung von Massivdraht auf Fülldraht umstellt, sollte die Schweißerprüfungen gleich mitprüfen — mehr dazu unter Schweißerprüfung nach ISO 9606-1 im Fahrzeugbau.

Werkstoffgruppen nach ISO 15608

Damit eine Verfahrensprüfung nicht für jede einzelne Stahlsorte neu gemacht werden muss, fasst ISO 15608:2025 die Werkstoffe zu Gruppen zusammen. Für Stähle gilt Tabelle 1. Eine Auswahl der Gruppen, die im Fahrzeugbau vorkommen können:

  • Gruppe 1 — Stähle mit einer festgelegten Mindeststreckgrenze ReH ≤ 460 N/mm² und begrenzten Legierungsanteilen; darin 1.1 mit ReH ≤ 275 N/mm², 1.2 mit 275 N/mm² < ReH ≤ 360 N/mm², 1.3 Feinkornstähle mit ReH > 360 N/mm² und 1.4 wetterfeste Stähle.
  • Gruppe 2 — thermomechanisch behandelte Feinkornstähle und Stahlguss mit ReH > 360 N/mm²; 2.1 bis 460 N/mm², 2.2 darüber.
  • Gruppe 3 — vergütete und ausscheidungsgehärtete Feinkornstähle (außer nichtrostenden Stählen) mit ReH > 360 N/mm²; 3.1 bis 690 N/mm², 3.2 darüber, 3.3 ausscheidungsgehärtete Feinkornstähle.
  • Gruppe 8 — austenitische nichtrostende Stähle mit Ni ≤ 35 %; 8.1 mit Cr ≤ 19 %, 8.2 mit Cr > 19 %, 8.3 manganaustenitische Stähle mit 4 % < Mn ≤ 12 %.

In welche Gruppe ein bestimmter Stahl fällt, ergibt sich aus seiner Werkstoffbezeichnung und den Werten seiner Spezifikation, nicht aus dem Handelsnamen. Aluminium und seine Legierungen ordnet ISO 15608 in einer eigenen Tabelle; Aluminium-Schweißen im Fahrzeugbau behandelt alu-schweissdoku.de.

Die WPS braucht ein qualifiziertes Verfahren

ISO 3834-2:2021 verlangt in Abschnitt 10.3, dass Schweißverfahren vor der Fertigung qualifiziert sind; die Methode richtet sich nach der Produktnorm oder der Spezifikation. Für Lichtbogenschweißen von Stahl ist die Verfahrensprüfung nach ISO 15614-1:2017+A1:2019 ein Weg; ihr Bericht (WPQR) hält den Geltungsbereich fest. Nach Abschnitt 10.4 darf die WPS direkt als Arbeitsanweisung dienen; eigene Arbeitsanweisungen sind ebenfalls möglich, wenn sie aus einer qualifizierten WPS abgeleitet sind — sie brauchen dann keine eigene Qualifizierung.

In der Praxis heißt das: Zu jeder WPS gehört der Verweis auf die Grundlage, die sie trägt — meist eine WPQR —, und die Parameter der WPS müssen in deren Geltungsbereich liegen. Die Auftragsakte zeigt am Ende, welche WPS an welcher Naht galt — siehe Schweißnachweise im Fahrzeugbau.

Wie die Software die WPS führt

Im geführten Formular entsteht die WPS aus einem Werkstoffgruppen-Katalog nach ISO 15608:2025, Zusatzwerkstoffen und Schutzgasen. Auswählbar sind die Lichtbogen-Prozesse 111, 121, 131, 135, 136, 138 und 141. Vor der Freigabe wird geprüft, ob die Pflichtangaben vollständig sind — welche Felder verlangt werden, hängt von Prozess und Nahtart ab. Der Deckungscheck vergleicht WPS, Verfahrensprüfung und Schweißerprüfung miteinander; die WPS lässt sich als PDF ausgeben. Den vollen Umfang zeigt die Seite Funktionen.

Dieser Text ist eine Einordnung, kein Normzitat und keine Rechtsberatung. Die verbindliche Fassung steht in der Norm.

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