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Schweißnachweise im Fahrzeugbau: was geführt werden muss

Ein Aufbautenhersteller schweißt Rahmen, Konsolen, Kipperbrücken und Sonderaufbauten — und wird irgendwann gefragt, womit er das belegt. Diese Übersicht nennt die Nachweise, die dabei regelmäßig verlangt werden, und was sie jeweils leisten. Maßgeblich ist der Normtext, und was ein Auftraggeber tatsächlich fordert, steht in seinem Lastenheft.

1. Schweißanweisung (WPS) nach ISO 15609-1

Die Schweißanweisung ist das Papier, nach dem in der Werkstatt geschweißt wird: Grundwerkstoff und Werkstoffgruppe, Prozess, Nahtart, Position, Blechdicken- und Durchmesserbereich, Zusatzwerkstoff, Schutzgas, Strom, Spannung, Vorwärm- und Zwischenlagentemperatur, Lagenaufbau. ISO 15609-1:2019 nennt die Angaben, die eine WPS für das Lichtbogenschweißen enthält.

Zu den Lichtbogenprozessen zählen etwa MAG mit Massivdraht (135) und mit Fülldraht (136 und 138), WIG (141), MIG (131), E-Hand (111) und Unterpulverschweißen (121). Welcher Prozess eingesetzt wird, entscheidet mit darüber, welche Verfahrensprüfung die Anweisung trägt.

2. Verfahrensprüfung (WPQR) nach ISO 15614-1

Eine Schweißanweisung steht nie für sich: Sie stützt sich auf ein qualifiziertes Schweißverfahren. ISO 3834-2:2021 verlangt in Abschnitt 10.3, dass Schweißverfahren vor der Fertigung qualifiziert sind; die Methode richtet sich nach der Produktnorm oder der Spezifikation. Ein Weg ist die Schweißverfahrensprüfung nach ISO 15614-1. Deren Prüfungsbericht (WPQR) hält fest, was geprüft wurde und in welchem Geltungsbereich die Qualifizierung gilt — Werkstoffgruppe, Dickenbereich, Durchmesserbereich, Positionen. ISO 15614-1:2017+A1:2019 regelt Prüfung und Geltungsbereich für das Lichtbogenschweißen von Stahl und Nickellegierungen sowie für das Gasschweißen von Stahl.

In der Praxis stammen WPQR oft von einem externen Prüfinstitut. Für die Nachweisführung zählt, dass sie der Anweisung zugeordnet ist und deren Parameter vom Geltungsbereich gedeckt sind.

3. Schweißerprüfung nach ISO 9606-1 — der Nachweis mit Frist

Die Prüfbescheinigung des Schweißers ist ein Nachweis mit Frist. EN ISO 9606-1:2017 verlangt in Abschnitt 9.2, dass die Gültigkeit alle sechs Monate von der für das Schweißen verantwortlichen Person oder von einem Prüfer bzw. einer Prüfstelle bestätigt wird — die Bescheinigung bleibt nur mit dieser Bestätigung wirksam. Fehlt sie, nützt das Papier im Ordner wenig.

Für die Verlängerung über die ursprüngliche Geltungsdauer hinaus nennt Abschnitt 9.3 drei Wege — in der Norm mit a, b und c bezeichnet; die Verlängerung nimmt ein Prüfer oder eine Prüfstelle vor. Welcher Weg gewählt wurde, gehört zur Akte, weil er bestimmt, welche Belege beim nächsten Termin vorzulegen sind.

Für das mechanisierte und automatisierte Schweißen gilt statt der Schweißerprüfung die Prüfung des Bedieners nach ISO 14732:2025. Für Aluminium gilt ISO 9606-2; solche Schweißerprüfungen lassen sich in der Software derzeit nicht anlegen.

4. Schweißaufsicht nach ISO 14731

Wer die Schweißaufsicht wahrnimmt, muss benannt sein — mit Qualifikationsnachweis und mit den übertragenen Aufgaben. ISO 14731:2019 beschreibt Aufgaben und Verantwortlichkeiten, aus denen ein Betrieb auswählt; ihr Anhang B nennt darunter, Eignung und Gültigkeit der Qualifikationsnachweise der Schweißer und Bediener zu prüfen.

5. Werkstoffzeugnis nach EN 10204

Für das verbaute Material verlangen Auftraggeber eine Prüfbescheinigung nach EN 10204. Die Norm unterscheidet die Werksbescheinigung 2.1 ohne Prüfergebnisse und das Werkszeugnis 2.2 mit Ergebnissen nichtspezifischer Prüfung vom Abnahmeprüfzeugnis 3.1, das eine spezifische Prüfung bestätigt und von einer von der Fertigung unabhängigen Stelle des Herstellers gezeichnet wird, sowie vom Abnahmeprüfzeugnis 3.2 mit zusätzlicher Bestätigung durch einen Beauftragten des Bestellers oder einen in amtlichen Vorschriften bestimmten Prüfer.

Welche Art gefordert ist, bestimmt die Bestellung oder die Anwendungsnorm. Eine allgemeine Rangfolge „höher ist besser“ leitet sich daraus nicht ab.

6. Prüfmittel und ihre Kalibrierung

Messgeräte, mit denen Schweißparameter oder Nähte beurteilt werden, gehören mit ihrem Kalibrier- oder Validierungsstand in dieselbe Akte, damit ein überschrittener Termin auffällt, bevor mit dem Gerät weiter gemessen wird.

Was am Audit-Tag tatsächlich gefragt wird

Der Lieferantenauditor eines Fahrzeugherstellers fragt selten nach der Liste — er greift eine Naht heraus: Welche WPS galt, welche WPQR trägt sie, wer hat geschweißt, und war dessen Bescheinigung an diesem Tag bestätigt. Vier Fragen, vier Papiere, die zueinander passen müssen. Wie sich diese Anforderungen in die Reihe ISO 3834 einordnen, steht in ISO 3834: was die Norm von einem Schweißbetrieb verlangt.

Für Schienenfahrzeuge kommt mit EN 15085 ein eigenes Regelwerk hinzu, das diese Seite nicht behandelt — dafür gibt es en15085-software.de.

Dieser Text ist eine Einordnung, kein Normzitat und keine Rechtsberatung. Die verbindliche Fassung steht in der Norm.

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