Zum Inhalt springen

Schweißen im Anhängerbau: Prozess, ISO 3834 und Nachweise

Ein Anhänger besteht zum großen Teil aus geschweißten Baugruppen: Rahmen und Längsträger, Querträger, Deichsel, Konsolen, Bordwände und Aufbauten. Wer solche Baugruppen fertigt, wird früher oder später nach seinem Schweißprozess gefragt — vom Auftraggeber, im Lieferantenaudit oder bei der Zertifizierung nach ISO 3834. Diese Seite geht den Prozess Station für Station durch und nennt die Unterlagen, die dabei entstehen.

ISO 3834 als Rahmen für den Schweißprozess

Die Reihe ISO 3834 beschreibt Qualitätsanforderungen an das Schmelzschweißen. Sie ist keine Produktnorm für Anhänger, sondern ordnet den Schweißprozess eines Betriebs — unabhängig davon, was geschweißt wird. ISO 3834-2 trägt die umfassenden Anforderungen, ISO 3834-3 die Standard-Anforderungen. Welcher Teil für einen Betrieb der passende ist, ist im Beitrag ISO 3834: was die Norm von einem Schweißbetrieb verlangt erklärt. Die folgenden Stationen folgen der Gliederung von ISO 3834-2:2021.

1. Anforderungen und technische Prüfung

Bevor geschweißt wird, prüft der Hersteller nach ISO 3834-2:2021 Abschnitt 5, ob er die Anforderungen des Auftrags erfüllen kann. Zur technischen Prüfung (5.3) gehören unter anderem Lage, Zugänglichkeit und Reihenfolge der Nähte — auch mit Blick darauf, ob sie sich später prüfen lassen. Beim Anhängerrahmen ist das die Frage, welche Nähte nach dem Zusammenbau noch erreichbar sind.

2. Fertigungsplanung

Abschnitt 10.1 verlangt eine angemessene Fertigungsplanung. Dazu zählen mindestens die Reihenfolge, in der das Bauteil gefertigt wird (Einzelteile, Baugruppen, Endmontage), die Verweise auf die Schweißanweisungen, die Reihenfolge der Nähte, die Prüfungen, die Umgebungsbedingungen, die Kennzeichnung nach Losen oder Bauteilen und die Zuordnung qualifizierten Personals.

3. Schweißanweisungen und qualifizierte Verfahren

Der Hersteller erstellt Schweißanweisungen und sorgt dafür, dass sie in der Fertigung richtig angewendet werden (10.2). Die Verfahren müssen vor der Fertigung qualifiziert sein, die Methode richtet sich nach Produktnorm oder Spezifikation (10.3). Eine WPS darf direkt als Arbeitsanweisung dienen (10.4).

4. Schweißer und Schweißaufsicht

Schweißer und Bediener sind durch eine geeignete Prüfung qualifiziert (7.2). Der Hersteller verfügt über Schweißaufsichtspersonal, dessen Aufgaben und Verantwortung klar festgelegt sind (7.3).

5. Zusatzwerkstoffe und Grundwerkstoffe

Abschnitt 11 behandelt die Schweißzusätze einschließlich Lagerung und Handhabung, Abschnitt 12 die Lagerung der Grundwerkstoffe. Im Anhängerbau mit vielen Profilen und Blechen heißt das vor allem: Verwechslungen vermeiden und das Werkstoffzeugnis dem verbauten Material zuordnen können.

6. Prüfen vor, während und nach dem Schweißen

Vor dem Schweißen werden unter anderem Qualifikationen, WPS, Werkstoffe und Nahtvorbereitung geprüft (14.2). Während des Schweißens zählen dazu wesentliche Parameter, Vorwärm- und Zwischenlagentemperatur, Schweißfolge und die Kontrolle des Verzugs (14.3). Danach wird die Einhaltung der Annahmekriterien geprüft — durch Sichtprüfung, zerstörungsfreie oder zerstörende Prüfung sowie Form und Maße (14.4).

7. Rückverfolgbarkeit und Aufzeichnungen

Wo gefordert, bleiben Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit über die gesamte Fertigung erhalten — etwa von Schweißer und WPS zu den einzelnen Nähten (Abschnitt 17). Die Qualitätsaufzeichnungen nach Abschnitt 18 umfassen unter anderem WPS, WPQR, Qualifikationsnachweise der Schweißer, Fertigungsplan und Prüfberichte; ohne andere Vorgabe werden sie mindestens fünf Jahre aufbewahrt.

Wo Unterlagen auseinanderlaufen können

Lücken können zwischen den Unterlagen entstehen. Beispiele: Die WPS verweist auf eine Verfahrensprüfung, deren Geltungsbereich die Blechdicke nicht mehr abdeckt. Ein neuer Schweißer steht im Plan, aber seine Bescheinigung wurde seit über sechs Monaten nicht bestätigt. Das Werkstoffzeugnis liegt im Wareneingang, aber niemand kann sagen, in welchem Rahmen das Blech verbaut wurde. Solche Brüche zeigen sich, wenn jemand eine Naht herausgreift und nach den Belegen fragt.

Was an Achsen, Kupplungen oder zugekauften Komponenten geschweißt werden darf, legen deren Hersteller fest. Freigaben dieser Art sind nicht Gegenstand dieser Seite.

Wo die Software ansetzt

Die Software führt die Nachweise der Stationen 3 und 4 sowie die Werkstoffzeugnisse aus Station 5 an einem Ort: Schweißanweisungen nach ISO 15609-1 aus dem geführten Formular, Verfahrensprüfungen nach ISO 15614-1 mit Geltungsbereich, Schweißerprüfungen nach ISO 9606-1 mit der Bestätigung alle sechs Monate, die Schweißaufsicht im Register und Werkstoffzeugnisse nach EN 10204 mit Zuordnung. Je Auftrag lassen sich die Unterlagen als ZIP-Paket zusammenstellen. Planung, Prüfungen und Fertigungsunterlagen der übrigen Stationen bleiben Aufgabe des Betriebs. Mehr zum Segment unter Schweißdoku im Anhängerbau.

Dieser Text ist eine Einordnung, kein Normzitat und keine Rechtsberatung. Die verbindliche Fassung steht in der Norm.

FahrzeugNorm läuft auf SchweissDoku.