Schweißerprüfung im Fahrzeugbau: ISO 9606-1 im Serienbetrieb
In einer Serienfertigung von Aufbauten oder Anhängern schweißen oft viele Hände an denselben Bauteilen — und die Mannschaft wechselt. Jede dieser Personen braucht eine gültige Schweißerprüfung, die zu Prozess, Schweißzusatz, Nahtart und Position passt. Diese Seite ordnet ein, was die Prüfung nach EN ISO 9606-1 festlegt und wie ihre Fristen laufen.
Für wen ISO 9606-1 gilt
EN ISO 9606-1:2017 ist die europäische Ausgabe der ISO 9606-1:2012 und regelt die Prüfung von Schweißern für das Schmelzschweißen von Stählen. Sie gilt für manuelle und teilmechanisierte Prozesse — also für das, was ein Schweißer mit Brenner oder Elektrode in der Hand ausführt. Vollmechanisierte und automatisierte Prozesse deckt sie nicht ab; für Bediener von Schweißanlagen und Robotern verweist die Norm auf ISO 14732.
ISO 3834-2:2021 verlangt in Abschnitt 7.2, dass Schweißer und Bediener durch eine geeignete Prüfung qualifiziert sind. Für Aluminium gilt ISO 9606-2 — das Thema behandelt alu-schweissdoku.de.
Was die Prüfung festlegt: der Geltungsbereich
Eine Schweißerprüfung gilt nicht allgemein, sondern für einen Geltungsbereich, der sich aus den wesentlichen Variablen der Prüfung ergibt. Drei davon greifen wir für den Fahrzeugbau heraus:
- Prozess. Nach Abschnitt 5.2 qualifiziert eine Prüfung grundsätzlich einen Prozess. Der Wechsel zwischen Massivdraht 135 und Metallpulverdraht 138 verlangt keine neue Prüfung; die Prüfung im Kurzlichtbogen (131, 135, 138) qualifiziert auch für andere Werkstoffübergänge, nicht umgekehrt.
- Position. Nach Abschnitt 5.8 richten sich Schweißpositionen und Kurzzeichen nach ISO 6947 — etwa PA (Wannenlage), PB, PC, PD, PE, PF und PG sowie H-L045 und J-L045 für Rohre. Welche Positionen eine Prüfposition mit abdeckt, steht in den Tabellen 9 (Stumpfnähte) und 10 (Kehlnähte).
- Nahtart. Stumpfnaht (BW) und Kehlnaht (FW) werden unterschieden. An Rahmen, Konsolen und Aufbauten kommen beide vor; ob die Prüfung die jeweilige Naht abdeckt, entscheidet die Bescheinigung, nicht die Gewohnheit.
Nach Abschnitt 10 stellt der Prüfer oder die Prüfstelle die Bescheinigung in alleiniger Verantwortung aus. Neben den wesentlichen Variablen werden dort auch Stromart und Polarität, die Werkstoffgruppe und das Schutzgas festgehalten. Werden mehrere Prüfstücke geschweißt, ist eine gemeinsame Bescheinigung möglich, wenn sich nur eine der Variablen Nahtart, Schweißposition oder Auftragsdicke unterscheidet.
Die Fristen: Bestätigung alle 6 Monate
Die Qualifikation beginnt nach Abschnitt 9.1 mit dem Tag, an dem das Prüfstück geschweißt wurde — vorausgesetzt, die Prüfungen wurden durchgeführt und waren erfolgreich. Die Bescheinigung muss alle 6 Monate bestätigt werden, sonst wird sie ungültig.
Nach Abschnitt 9.2 bestätigt die für die Schweißarbeiten verantwortliche Person oder ein Prüfer bzw. eine Prüfstelle, dass der Schweißer im Geltungsbereich gearbeitet hat; damit verlängert sich die Gültigkeit um weitere 6 Monate. Diese Bestätigung gilt für alle drei Verlängerungswege. In einem Betrieb mit vielen Schweißern ist das ein fester Rhythmus, der je Person zu einem anderen Datum fällig wird.
Drei Wege zur Verlängerung — a, b oder c
Welcher Weg gilt, wird nach Abschnitt 9.1 schon bei der Ausstellung auf der Bescheinigung angegeben. Die Verlängerung selbst nimmt nach Abschnitt 9.3 ein Prüfer oder eine Prüfstelle vor:
- a) Der Schweißer wird alle 3 Jahre erneut geprüft.
- b) Alle 2 Jahre werden zwei Schweißungen aus den letzten 6 Monaten der Gültigkeitsdauer durchstrahlt, mit Ultraschall oder zerstörend geprüft und dokumentiert; sie müssen die ursprünglichen Prüfbedingungen bis auf Dicke und Außendurchmesser wiedergeben. Damit gilt die Qualifikation 2 weitere Jahre.
- c) Die Qualifikation bleibt gültig, solange sie nach 9.2 bestätigt wird und alle Bedingungen erfüllt sind: Der Schweißer arbeitet für denselben Hersteller, für den er geprüft wurde; dessen Qualitätssystem ist nach ISO 3834-2 oder ISO 3834-3 verifiziert; und der Hersteller hat dokumentiert, dass der Schweißer Nähte annehmbarer Qualität geschweißt hat — mit Schweißposition, Nahtart sowie mit oder ohne Badsicherung.
Für Betriebe mit wechselnder Mannschaft hat Weg c eine Folge, die man kennen sollte: Er hängt am Hersteller. Wechselt ein Schweißer den Betrieb, ist die Bedingung „derselbe Hersteller“ nicht mehr erfüllt.
Gibt es nach Abschnitt 9.4 einen konkreten Grund, die Fähigkeit eines Schweißers anzuzweifeln, werden die betroffenen Qualifikationen widerrufen; alle anderen bleiben gültig.
Wie die Software die Fristen führt
Schweißerprüfungen nach EN ISO 9606-1:2017 werden je Schweißer mit Geltungsbereich geführt, dazu die Bestätigung alle sechs Monate nach Abschnitt 9.2 und der gewählte Weg zur Verlängerung nach Abschnitt 9.3. Die Verlängerung selbst nimmt weiterhin ein Prüfer oder eine Prüfstelle vor. Bestätigungs- und Verlängerungsnachweis lassen sich als PDF ausgeben, und der Deckungscheck vergleicht die Angaben einer WPS mit dem Geltungsbereich der Schweißerprüfung. Wie das mit der Schweißanweisung zusammenhängt, steht unter WPS im Fahrzeugbau.
Dieser Text ist eine Einordnung, kein Normzitat und keine Rechtsberatung. Die verbindliche Fassung steht in der Norm.
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